Schleuse Zaaren: Allianz „Wir an der Havel“ kämpft für finanzielle Entschädigung betroffener Betriebe

„Wir sitzen seit Saisonstart in einer Sackgasse“ erklärt Caroline Boehnke, Sprecherin der Allianz Wir an der Havel. Das sind fünf betroffene Wassersport-Unternehmen aus Mildenberg und Zehdenick, die sich zusammengeschlossen und die Stimme erhoben haben. „Unser Hauptziel ist eine finanzielle Entschädigung, ohne die einige von uns dieses Jahr möglicherweise nicht überleben,“ so Boehnke.
Der Grund für die Existenzkrise ist die Sperrung der Schleuse Zaaren bis 1.8.2019. Diese befindet sich ca. 20 Fluss-Kilometer nördlich von Zehdenick und verbindet die Brandenburger mit den Mecklenburger Gewässern – es ist buchstäblich die Hauptschlagader zur Seenplatte. Im Schnitt werden 10.000 Sportboote pro Jahr hier geschleust, doch bis August geht nichts. „Anfang des Jahres war noch von der Fertigstellung bis Mai die Rede, das hätten wir verkraftet. Die Bauverzögerung bis 1.8. jedoch bedeutet für uns alle eine existenzielle Krise,“ so Boehnke weiter.
Der Durchgangsverkehr an Booten zwischen Berlin und der Müritz entfalle so gut wie komplett, was sich auf die Auslastung der Gastliegeplätze in den Marinas auswirke. Viele Bootsfahrer machten gern Station in Zehdenick, denn das kleine Havelstädtchen und der dazugehörige Ortsteil Mildenberg sind bestens auf Wassertouristen eingestellt. Jetzt sind die Häfen fast leer.
Leidtragende sind auch Gastronomen. In Zehdenick, Mildenberg und Burgwall sind es drei Restaurants mit Anlegern für Boote – auch hier gähnende Leere. „Im Schnitt fehlen pro Abend zehn zahlende Gäste und das ist in einer strukturschwachen Region wir unserer eine Katastrophe,“ erklärt Boehnke.
Als Vermieter von Hausbooten sei man wiederum durch Vertragsrücktritte finanziell betroffen. Obwohl Mietverträge für Boote kein gesetzliches Rücktrittsrecht haben, reagiere man kulant und erstatte zumindest anteilig zurück um die Kunden nicht zu verprellen. Dazu Boehnke: „Das bedeutet aber, dass mein Ertragskonto systematisch schrumpft bei bleibenden Fixkosten“. Wassersport ist ein Saisongeschäft, innerhalb eines halben Jahres müssen Einnahmen für ein volles Geschäftsjahr erwirtschaftet werden. Jeder Cent, der da in der Kasse fehle, mache sich bemerkbar.
Drastische Worte findet Caroline Boehnke im Hinblick auf die überregionale Auswirkung der Krise. Ganz klar spricht sie hier von einem nationalen Imageverlust: „Wir werden als Reiseland für Wasserwanderer unplanbar. Diese geschlossenen Gewässer in Ostdeutschland sind absolut einzigartig, wer hier nicht mehr Boot fährt, geht ins Ausland.“ Auf die Frage, warum die Allianz geschlossen wurde, antwortet sie: „Wer den Mund nicht aufmacht, wird nicht gehört. Es ist unsere einzige Chance auf Entschädigung.“
Neben den unmittelbaren eigenen Interessen sieht sich die Allianz auch als Vertretung der gesamten Region, in der der Tourismus eine große Rolle spielt und Wasserwanderer ein beachtlicher Teil davon sind.

Zehdenick, 20. Mai 2019

Fünf Wassersport-Unternehmen haben sich am 15.3.2019 zur Allianz Wir an der Havel zusammengeschlossen, weil sie unmittelbar von der Sperrung der Schleuse Zaaren an der Oberen Havel-Wasserstraße betroffen sind. Sie kämpfen u.a. für eine finanzielle Entschädigung betroffener Unternehmen. Die gesamte Liste der Forderungen kann eingesehen werden auf der Webseite http://www.wiranderhavel.de.

Die Allianz sind:
Spree Marine GmbH (5 Sterne Yachtcharter) – Caroline Boehnke, Sprecherin
Freecamper boot & camping GmbH – Markus Frielinghaus
Brehm & Presch Marina GbR – Frank Brehm und André Presch
Die Bootschaft – Peter Schmidt
Marina Zehdenick am Prerauer Stich GmbH – Dirk Fengler

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Elektrisch auf dem Wasser: Mit der E-Sloepen nach Mildenberg

Vier Schleusen, zwei Wasserstraßen, 47 Kilometer: Das ist die Strecke von der Marina Havelbaude in Hohen Neuendorf bis zur Marina Alter Hafen in Mildenberg/Zehdenick. Im Sommer eine viel befahrene Strecke, war es an diesem Montag (8.Mai) eher ruhig. Das lag natürlich an der Vorsaison, hauptsächlich jedoch am Wetter: Neun Grad, Regen, Wind. Auf einem Boot ohne Kajüte nicht unbedingt gemütlich, aber für „echte“ Skipper trotz dessen ein Erlebnis. Für uns war es dieses Mal besonders ruhig, denn wir haben eine Elektro-Tender-Sloepen (mit 2,5-kw-Mastervolt-Motor) nach Mildenberg überführt. Dort kann sie nun jedermann (auch ohne Führerschein) chartern und die wunderbare Gegend auf dem Wasserweg erkunden. Die Waterspoor 707 kann nicht schnell, aber dafür eben sehr leise. Mit fünf bis sieben Stundenkilometer gleitet man mit der Sieben-Meter-Sloepen über jedes Wasser. Dank E-Motor, einem Tiefgang von 55 Zentimetern und einer Durchfahrtshöhe von nur 1,10 Meter ist sie praktisch in jedem Revier zugelassen.

Wie lange halten die Batterien einer E-Sloepen? Wir hatten beim Start eine Laufzeit von 8:30 Stunden (99 % Ladezustand) – bei einem Verbrauch von 1,3 kW – das sind Havel-Stromauf etwa 6,5 kmh, bergab kann man damit etwa einen bis eineinhalb Kilometer pro Stunde mehr fahren. Am Ende der Fahrt, also nach 47 Kilometern, war der Ladestand bei immer noch 23 Prozent und einer Restlaufzeit von 1,5 Stunden. Dabei haben wir uns strikt ans Maximum 1,3 kW gehalten, nur am Ende der Fahrt haben wir etwas „auf die Tube“ gedrückt. Jedoch bringt der doppelte Verbrauch kaum Geschwindigkeit, so dass es keinen Sinn macht, den „Hebel umzulegen“. Nützlich ist die höhere Leistung vor allem beim Anlegen oder Schleusen-Manövern.

Fazit: Eine wunderbar leise Sloepen mit genug „Saft“ für einen Tag, Platz und Zulassung für acht Personen, dank Bimini und Sprayhood einigermaßen wetterfest, nicht zu empfehlen bei Dauerregen oder Kälte. Die von Waterspoor  speziell entwickelte Rumpfform sorgt zudem für Kursstabilität und damit leichtes Steuern für jedermann.

Anmietung hier: http://www.marina-alter-hafen.de/de/Boote.html